Hitler-Haus in Braunau: Abreißen oder Geschichte aufarbeiten?

Jeder von euch aus dem Bezirk kennt es wahrscheinlich – das Geburtshaus von Adolf Hitler in der Braunauer Innenstadt. Schon seit einiger Zeit wurde immer wieder diskutiert, was mit dem „Hitler-Haus“ passieren soll. Seit dieser Woche ist es klar: das Haus wird enteignet und die derzeitige Hausbesitzerin entschädigt. Doch was dann? Wird es abgerissen, oder umfunktioniert – wir haben für euch nachgelesen …

Auf dem Gehweg wirbt ein Mahnstein für „Frieden, Freiheit und Demokratie“ und erinnert an die Geschichte des Hauses – schon vor seiner Aufstellung im Jahr 1989 kannte sie jeder Braunauer: Hier wurde am 20. April 1889 Adolf Hitler geboren.Hitler-Haus Das gelb gestrichene zweistöckige Haus, steht nach dem Auszug einer Werkstätte für Menschen mit Behinderung seit 5 Jahren leer. Es wurde viel diskutiert darüber, was mit dem Haus geschehen soll. Besitzerin war bis dato Gerlinde Pommer-Angloher – die wollte aber auf keinen Fall eine Nutzung im historischen Kontext – sie hat das Haus dem Staat Österreich vermietet. Kaufangebote des Innenministeriums wies sie bislang immer zurück. Jetzt hat der Ministerrat beschlossen, das Haus zu enteignen und die Besitzerin zu entschädigen. Voraussichtlich wird im Herbst der Nationalrat das Gesetz beschließen – die Enteignung tritt dann automatisch in Kraft.

Interessantes Detail: Das Gebäude hat eigentlich nur wenig mit dem Diktator zu tun. Hitler lebte mit seinen Eltern nur drei Jahre lang in Braunau, und schon wenige Monate nach seiner Geburt zog die Familie in ein Haus nahe des Inn um. (Vgl.: http://www.spiegel.de/einestages/geburtshaus-von-adolf-hitler-streit-in-braunau aufgerufen am 25.07.2016)

 

 

Welche Zukunft hat das Hitler-Haus?

Ideen gab es für das Haus wirklich schon sehr viele. Im Februar 2000 plante der Braunauer Gemeinderat eine Versöhnungsstätte in dem Gebäude, wenig später warb Andreas Maislinger für ein „Haus der Verantwortung„, in dem alle drei Etagen umfasst wären: Im Erdgeschoss sollen Jugendliche über Verantwortung für die Vergangenheit diskutieren, im ersten Stock die Wirren der Gegenwart besprechen und unter dem Dach die Zukunft planen. 2012 schockierte Braunaus Bürgermeister Johannes Waidbacher mit dem Vorschlag, das Gebäude zum gewöhnlichen Wohnhaus umzufunktionieren. Fast zeitgleich kündigte ein Parteifreund des russischen Kremlchefs Putin an, es kaufen und abzureißen zu wollen – was aber schon daran gescheitert wäre, dass das Gebäudeensemble aus dem 17. Jahrhundert unter Denkmalschutz steht. Unter Historikern kursiert die Idee das „Hitler-Haus“ nach dem Vorbild der Gedenkstätte Sachsenhausen zu gestalten. Dort ist die Nutzung zweigeteilt. Es gibt eine Ausstellung, die die geschichtliche Bedeutung des Hauses aufarbeitet. Bis jetzt hat man keine von diesen Ideen umgesetzt – zuletzt wollte die Stadt eine Volkshochschule und den Sozialverein „Volkshilfe“ in dem Haus unterbringen. Aber auch das ist nicht passiert. Die Regierung will nun auf jenes Nutzungskonzept warten, das eine zwölfköpfige Expertenkommission erstellen soll.

Wer mehr über diese Thematik wissen möchte: Der Bayrische Rundfunk hat über die ganze Angelegenheit auch einen kleinen TV-Beitrag gemacht …

Für viele Braunauer gehört das Geburtshaus Adolf Hitlers im historischen Zentrum einfach zum Stadtbild. Ihr merkt sicher: zur künftigen Nutzung gibt es sehr unterschiedliche Vorstellungen. Für alle ist aber sehr wichtig, dass es keine Gedenkstätte für Ewiggestrige werden darf.

Was meint ihr? Soll es abgerissen werden, um dieses dunkle Kapitel der Stadt endgültig abzuschließen? Oder soll man sich mit diesem Thema auseinandersetzen und die Geschichte mit Hilfe einer Gedenkstätte oder eines Museums aufarbeiten? Für welche Idee könntet ihr euch begeistern- oder habt ihr selber noch einen viel besseren Einfall?

 

 

 

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